Imagini ale paginilor
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wollte um keinen Preis mehr erbitten, da ich fand dass er spielte ohne selber Freude daran zu haben.

Wir nahmen Abschied von einander auf eine Weise, die man in Frankreich dauernde Freundschaft nennen würde; und er sagte, ganz aus freien Stücken, er würde uns gewiss besuchen, wenn er nach England kommen sollte.

3. Stumpff an Beethoven. *)

London July 29 den 1825. Der die Ehre haben wird Ihnen diesen Brief zuzustellen ist Herr Georg Schmart [Sir George Smart), mein Nachbar und Freund, ein Musiker und Mitglied der Philharmonischen Gesellschaft in London, welcher neugierig ist, das Land kennen zu lernen, welches die Schöpfer so vieler unsterblichen Werke der Tonkunst gezeugt, gebildet und vollendet hat. Würden Sie solchen einer geneigten Aufnahme würdigen, so würden Sie mich sehr verbinden.

Vor allen nun muss ich Sie erst recht inständigst um Verzeihung bitten, dass ich Ihnen die versprochenen Händel'schen Werke noch nicht zugesandt habe, ob ich gleich solche, gleich nach meiner Rückkunft nach London aufsuchte, und auch so glücklich war einen wohlerhaltenen Satz davon zu bekommen, indem die Platten der besseren Ausgabe längst zerstöret und nie wieder gestochen worden sind, und es ziemlich schwer hält einen wohlerhaltenen Satz zu bekommen.**) Ich erlaube mir hier die Freiheit Ihnen zu bekennen, dass die Hauptursache warum solche noch nicht abgeschickt wurden, war: weil ich glaubte das unbeschreibliche Vergnügen zu haben, den grössten Tonkünstler in London zu sehen; und dann auch, weil es mir an einer sicheren Gelegenheit gemangelt, und noch mangelt, solche nach Wien zu senden; und auch, da Sie zu mir den Wunsch äuserten, auch einen Satz für einen K. K. Prinzen (Erzherzog Rudolph] zu haben; und sollten Sie es noch entschlossen sein, so nehme ich mir die Freiheit Ihnen zu melden, dass ich auch zu diesem Zwecke

auf einen Londoner Bekannten an, der ein Liebhaber solcher massigen Griffe gewesen sein muss. Ist ihre Bemerkung also nicht ganz drollig und durchaus unanfechtbar? Und dies benutzt Hr. Schindler in seinem Unverstande zu einem albernen Spotte, auf den die Engländer, käme er ihnen zu Ohren, nichts erwidern würden als das zu unserer Schande schon so oft geäusserte » Deutsche Ungezogenheit! «

*) In Lonsdale’s Besitz, wie auch die folgenden Schreiben.

**) Die um 1790 erschienene Ausg. von Arnold ist gemeint, und diese kommt in gut erhaltenen Sätzen noch heute sehr oft zum Verkauf, vielleicht häufiger als damals.

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cinen Satz ausfündig gemacht. Und so könnten daher beide Werke, in einer Kiste, vielleicht durch den Oesterreichischen Gesandten in London auf die wenig kostspielichste Weise unter des K. K. Prinzen Adresse nach Wien befördert werden. Sie würden mich daher selir verbinden, wenn Sie die Güte haben wolten mich in einem Briefe mit Ihren Wünschen bekannt zu machen, welche[n] ich dann ohne Verzug zu willfahren bereit sein würde.

Noch nehme ich mir die Freiheit hier zu erwähnen, dass es mir sehr leid thut, dass die Sieben Werke von Ibrer Composition die mir Ihr Hr. Bruder zum verkauf in London zugesandt, aller Mühe ungeachtet noch unverkauft bei mir liegen, und ich fange an zu zweifeln an einem günstigen Erfolg, indem sich keine von den vielen Kunsthandlungen damit befangen [befassen] will.

Wegen Ihrer Schlacht von Vittoria habe ich mich vielfältig erkundigt, selbst bei denjenigen so dem König am nächsten stehen, habe aber weiter nichts erfahren können als: dass mann bedaure dass mann mir in dieser Sache nicht dienen könne und dass der damalige Chef des Musikalischen Departments am Hofe zu einer andern Stelle im Auslande befördert sei, und dass, vielleicht, sich ein günstiger Zufall ereignen möge den König daran zu erinnern.

Endlich nehme ich mir noch die Freiheit Ihnen zu bekennen, dass mein wallend Herz der Vorsicht (Vorsehung) den innigsten Dank zollt, die mich nach dem lieben Baaden führte und mich den Liebling der Musen und den Schöpfer der erhabensten Ton-Gebilde von Angesicht zu Angesicht blicken liess, dessen gütige Aufnahme der ich gewürdigt wurde, mich dief durch drungen und mit Bewunderung und heisem Dankgefühl erfüllt hat. In der Erwartung, dass Sie sich einer dauerhaften Gesundheit erfreuen habe ich die Ehre zu sein

Euer Hoch Wohlgeboren 44 Great Portland Street

unterthänigster Diener Portland Place.

J. A. Stumpff. P. S. Die oben erwähnten Händel'schen Werke bestehen aus 40 gebun.

denen Bänden, und erbitte ich mir noch die Freiheit den Hrn. Streicher und dessen Familie aufs herzlichst zu grüssen.

mit mehreren Veränderungen ist ein (d. i. dieser)

Brief durch Sir G. Shmart abgegangen.
Seiner Wohlgeboren Herrn
Herrn Luis van

Beethoven

in durch Güte.

Wien.

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Hiernach sprach Beethoven bei jenem Besuche im Sept. 1823 den Wunsch aus, sowohl für sich wie für seinen Schüler, den Erzherzog Rudolph, einen Satz von der besten Ausgabe der Händel'schen Werke zu erhalten. Als Stumpff nun beinahe zwei Jahre später ihm mittheilte, dass zwei Exemplare zur Verfügung ständen, muss er nicht in der Lage gewesen sein, das seine bezahlen oder vergüten und die Uebersendung beider veranlassen zu können, und so bot sich dem wackern Stumpff erst nach einem Jahre eine sichere Gelegenheit dar, dem grossen Tonmeister das ihm bestimmte Exemplar sicher zukommen zu lassen. Stumpff berichtet hierüber in seinem Tagebuche:

» London, August 24sten, 1826. »Mein Neffe Heinrich Stumpff verliess mich, um zu seinem Vater zurück zu kehren und fuhr mit einem Hamburger Schiffe, die Thetis genannt, Capitain J. Rutherford. Er nahm zwei Kisten mit sich: die eine enthielt seine Habe und Kleider, und die andere die Werke von Händel in 40 Bänden, gesandt an den grössten lebenden Componisten Luis van Beethoven als ein für ihn bestimmtes Geschenk, und ihm in Wien durch den dortigen Pianofortemacher Hrn. Streicher zu übergeben. Heinrich wird von seiner Heimat aus eine Gelegenheit nach Wien ausfindig machen und alle Kosten bezahlen. » In die Partitur des Messias habe ich folgende Worte geschrieben:

Herr Luis van Beethoven wird gebeten, diese wohlbekannte und
vollständige Ausgabe von Händels Werken in 40 Bänden gütigst
anzunehmen als ein Zeichen der grossen Werthschätzung und
tiefen Verehrung von
In London.

J. A. Stumpff. » Die obige Sammlung kostet £ 45.« Stumpff, keineswegs ein reicher Mann, bezog das Exemplar von C. Lonsdale und bezahlte es theils mit Geld theils mit einer Harfe. Als das schöne Geschenk anfangs December 1826 in Wien anlangte, lag Beethoven schon in seiner letzten Krankheit. Im Bette unterzeichnete er den von Streicher geschriebenen Empfangsschein.

Wien 14'., Dec: 1826.
Herrn Baptist Streicher, hier.
Ich bestättige Ihnen hiermit doppelt lautend, (: doch nur ein-
fach gültig :) den richtigen Empfang der mir durch Sie, von
Herrn A: Stumpff in London zugesandten sämmtlichen Hän-
delschen Werke, bestehend aus 40 Bänden; nebst Reichard's
Taschenbuch für Reisende und einem Briefe von Herrn George
Smarth.

Ludwig van Beethoven

тр. Reichard's Taschenbuch für Reisende sollte dem Freunde auf der längst beschlossenen Fahrt nach London ein Rathgeber sein aber jetzt winkte eine höhere Hand zur letzten Reise.

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Jahrbücher I.

Streicher übersandte die Bescheinigung an Stumpff am 5. Jan. 1827 und fügte einen Bericht über die Aufnahme des Geschenkes hinzu, von dem Hr. Lonsdale freilich nur die Adresse besitzt, der sich aber seinem wesentlichen Inhalte nach durch den Abdruck im Harmonicon erhalten hat.

4. Streicher an Stumpff.

Wien, den 5. Januar 1827.

Ihrem Wunsche gemäss richteten wir es so ein, dass die 40 Bände von Händel's Werken, welche Sie an uns sandten als ein Geschenk für L. v. Beethoven, ihm frei von allen Kosten übergeben wurden, und es wird Ihnen höchst angenehm sein zu erfahren, dass Ihr Geschenk dem armen Beethoven, der so elend an sein Krankenbett" gefesselt ist, die grösste Freude bereitete und ihn seine trübselige Lage vergessen machte. Ein Buch (Compositionen) von einem seiner Londoner Bekannten wurde ihm zur selben Zeit mit Ihrem Händel übergeben ; er nahm es in seine Hand und legte es bei Seite ohne eine Sylbe zu äussern. Dann zeigte er mit seinem Finger auf Händel's Werke, und mit Gefühl und Erhebung sagte er 'Das ist das Wahre!' Beethoven liegt an der Wassersucht darnieder, und obschon die Operation des Abzapfens vorgenommen ist, erklären doch seine Aerzte dass er sich in äusserster Gefahr befindet. Unter diesen Umständen werden Sie ihn entschuldigt halten, dass er Ihnen nicht selber dankt; aber er hat mich gebeten, solches für ihn zu thun, und ich hoffe mich des ganzen Geschäftes zu Ihrer Zufriedenheit erledigt zu haben. Ich bin, etc.

The Harmonicon v. Febr. 1827, p. 23. In dem Journal wird hinzugefügt: »Obwohl Hr. Beethoven nicht selber einen Danksagebrief an Hrn. Stumpff schrieb, setzte er doch seinen Namen unter das Schriftstück, welches den Empfang der Händel'schen Werke anzeigt, und mit einer Deutlichkeit wie ich ihn niemals zuvor geschrieben sah. Ohne Zweifel gab er sich alle mögliche Mühe, seinem Freunde die grosse Achtung zu bezeugen welche er bei ihm geniesst.«

Hr. Schindler, welcher dieser ganzen Sache ferner stand, widmet derselben nur folgende Worte einer Anmerkung: »Im Jahr 1826 hat er (Stumpff] sämmtliche Werke von Händel (soll heissen: Arnold's Ausgabe eines grossen Theiles der Werke Händel's] in 40 Folio - Bänden unserm Meister zum Geschenk gemacht, wobei dieser nur eines eins) zu bedauern gehabt, dass er aus Mangel an Kenntniss der englischen Sprache Text und Musik zu vergleichen ausser Stand gewesen. Dennoch war die Freude an diesem in jeder Beziehung sehr werthvollen Geschenke eine grosse.« (II, 139.)

Als Beethoven bald darauf, immer bedenklicher erkrankend, durch die Londoner Freunde die dortige philharmonische Gesellschaft um ein Concert zu seiner Unterstützung anging worüber wir gelegentlich später die vorhandenen

Quellen zusammen stellen und uns weiter äussern werden), antwortete ihm Stumpff am 1. März.

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5. Stumpff an Beethoven. Herrn Lud. v. Beethoven Wien.

London den 1sten Mertz 1827.

Entwurf etwas verändert abgesandt.
Sehr hochgeschätzter Herr und Freund

Wie sehr mich die Nachricht erschreckt und mit Schmerzen durchdrungen, dass Sie an einer langwierigen Krankheit leiden, die Sie mir nun selbsten in einem Briefe vom Sten Febr. mitgetheilt, kann ich mit Worten nicht ausdrücken. Schon seit der ersten Nachricht davon, die ich durch die Güte Hrn. Streichers erhielt, vergingen fast wenige Tage wo ich nicht recht lebhaft an Sie gedacht; oft stehe ich im Geiste, in der Stube, an dem Bette des Leidenden Freundes und frage so often, so ängstlich den Arzt wie es mit dessen Besserung stehe, und möchte ihm gerne die Versicherung abnöthigen dass die Krankheit nicht gefährlich und dass der Kranke bald gänzlich wieder hergestellt sein würde.

Ja, innigst verehrter Freund! könnten herzliche und heise Wünsche eines Freundes Ihre Genesung bewürken, so würden die Herzen Ihrer Verehrer bald auf den Wogen einer Ihrer Brust entströmenden DankSimphonie zu Dem erhoben werden, der nur allein helfen kann, der seine Geschöpfe väterlich durch unerforschliche Wege dem von ihm gesteckten Ziele entgegen führt.

Dass Ihnen die von mir zugesandten Werke von Händel eine grosse Freude gemacht haben, ist Lohn genug für mich, weil es meine einzige Absicht gewesen ist. Ihren Wünschen gemäss habe ich ohne den geringsten Verzug den Hrn. George Smart und Moschelles für die gute Sache gewonnen so wohl als die Directoren der Philharmonischen Gesellschaft benachrichtiget, worüber auch dann so gleich berathschlagt wurde, weil aber ein solches Unternehmen sich nicht augenblicklich ausüben lässt so wurde beschlossen: dass fürs erste eine Summe von 100 Pfund so gleich dem Baron Rothschild alhier eingehändigt mit der Bitte solche mit ersterer Post an das Rothschildsche Haus in Wien zu remitiren, mit der Anweisung, dass das Geld, so wie es Ihre Bedürfnisse verlangten in kleinen oder grofern Summen, durch Hrn. Rau, Hofmeister im Baron Ekel'schen Hause, von Ihnen bezogen werden könne, Herr Moschelles, der sich sehr für die Sache interessirt, hat die Güte gehabt solches zu

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